Kleben statt Abdichten – Wann Dichtstoff versagt und Sie zum echten Kleber greifen müssen
Das Problem: Die Drei-Flanken-Haftung
Wenn das Silikon oder der Dichtstoff an drei Seiten gleichzeitig haftet – also an den beiden gegenüberliegenden Flanken und am Fugengrund –, verliert das Material seine Flexibilität.
Stellen Sie sich das Material wie ein Gummiband vor: Es kann sich nur dehnen, wenn es an zwei Enden zieht.
Ist es zusätzlich am Boden der Fuge festgeklebt, wird es bei Bewegung (z. B. durch Wasserdruck oder Temperaturschwankungen) starr.
#1 Die Folge: Die Naht reißt entweder in der Mitte oder löst sich von den Seitenwänden ab.
#2 Die Lösung: PU-Rundschnur und Hinterfüllung
Um das zu verhindern, nutzen Profis Material zur Hinterfüllung. Hier kommt die PU-Rundschnur (oder PE-Rundschnur) ins Spiel.
- Was sie tut: Die Rundschnur wird in die tiefe Fuge gedrückt, bevor der eigentliche Dichtstoff aufgetragen wird.
- Der Effekt: Das Silikon oder der Hybrid-Dichtstoff haftet nicht auf der Rundschnur. Dadurch wird die Haftung am Fugengrund unterbrochen.
- Zwei-Punkt-Haftung: Der Dichtstoff verbindet sich nur noch mit den zwei gegenüberliegenden Seitenwänden.
- Ergebnis: Die Fuge bleibt elastisch und kann wie ein echtes Gummiband arbeiten, ohne zu reißen.
>> Profi-Tipp für tiefe Fugen
Nutzen Sie die Rundschnur immer dann, wenn die Fuge tiefer ist, als sie breit sein sollte. So spart man nicht nur teures Material, sondern sorgt dafür, dass die nötige Elastizität für hohe Belastungen (Bewegungen im Bauwerk) erhalten bleibt.
Achten Sie dabei stets darauf, dass der Untergrund vor dem Einlegen der Schnur absolut sauber und fettfrei ist – am besten mit reinem Aceton oder Isopropanol gereinigt.